Breadcrump

Plan zur Entwicklung von überörtlichen Maßnahmen

Das Projekt „Plan zur Umsetzung und Weiterentwicklung von überörtlichen Maßnahmen zur Hochwasser- und Starkregenvorsorge für den Landkreis Ahrweiler und das Ahreinzugsgebiet unter Berücksichtigung der örtlichen Vorsorgekonzepte“ (im Folgenden „überörtlicher Maßnahmenplan“ (üMP) genannt) beschäftigt sich mit konkreten Maßnahmen, die extreme Wassermengen zurückhalten und damit mehrere Städte und Gemeinden übergreifend schützen können.

Untersucht werden sowohl technische Lösungen wie z. B. Rückhaltebecken als auch natürliche Ansätze, etwa die Schaffung zusätzlicher Retentionsflächen. Dabei werden verschiedene Regenereignisse und deren Auswirkungen auf die Wasserabflüsse genau analysiert, um die effektivsten Schutzmaßnahmen zu entwickeln.

Bausteine des überörtlichen Maßnahmenplans (Quelle: Jürgen Gerhardt, XX Design)

Der überörtliche Maßnahmenplan umfasst den gesamten Kreis Ahrweiler und berücksichtigt dabei die Ahr, ihre Zuflüsse sowie andere Gewässer wie z.B. den Brohlbach. Zusätzlich wird das Einzugsgebiet der Ahr auch über die Grenzen des Kreises hinaus betrachtet. Dazu werden die Untersuchungen auf die benachbarten Landkreise und Kommunen des Ahreinzugsgebiets ausgedehnt. Bestehende Konzepte der Kommunen werden ebenfalls mit einbezogen, um eine umfassende und wirkungsvolle Vorsorge zu gewährleisten.

Ahreinzugsgebiet (Quelle: IU Infrastruktur & Umwelt)

Was sind die Ziele?

Das Hauptziel besteht darin, herauszufinden, wie große Niederschlags- und Abflussmengen im Einzugsgebiet der Ahr so zurückgehalten werden können, dass die Auswirkungen einer Katastrophe wie im Juli 2021 reduziert werden können. Der überörtliche Maßnahmenplan soll dazu alle fachlich sinnvollen Vorsorgemaßnahmen zusammenfassen, die über die Grenzen der einzelnen Gemeinden hinauswirken, und diese hinsichtlich ihrer Schutzwirkung analysieren und bewerten.

Die konkreten Ziele des überörtlichen Maßnahmenplans sind:

  • Festlegen von Zielen und Anforderungen für Maßnahmen mit überregionaler Wirkung (im Sinne des Projektes)
  • Identifizieren und Zusammenstellen von Maßnahmen, die besonders für unterliegende Gebiete Hochwasser- und Starkregengefahren verringern
  • Detailliertes Ausarbeiten und Beschreiben besonders effektiver Maßnahmen
  • Bewerten der Machbarkeit dieser Maßnahmen
  • Entwickeln von Vorschlägen zur Umsetzung und Priorisierung der identifizierten Maßnahmen

Wer sind die Projektpartner?

Die Flutkatastrophe 2021 hat deutlich gemacht, dass die bisherigen Hochwasserschutzmaß-nahmen nicht ausgereicht haben, um Schäden zu verhindern. Deshalb einigten sich Landkreis und Kommunen schnell darauf, einen gemeinsamen Maßnahmenplan für das gesamte Ahreinzugsgebiet zu entwickeln.

Am 16.09.2022 wurde daher eine erste Kooperationsvereinbarung zwischen dem Landkreis Ahrweiler, den Städten Bad Neuenahr-Ahrweiler, Sinzig und Remagen, der Gemeinde Grafschaft sowie den Verbandsgemeinden Adenau, Altenahr, Bad Breisig und Brohltal unterzeichnet, die den Startschuss für die Entwicklung des überörtlichen Maßnahmenplans gab. Am gleichen Tag überreichte die rheinland-pfälzische Klimaschutzministerin Katrin Eder den Förderbescheid des Landes Rheinland-Pfalz, das 90% der Kosten übernimmt und die finanzielle Basis für dieses wichtige Projekt absichert.

Übergabe der Fördermittel am 16.09.2022 in der Kreisverwaltung Ahrweiler durch Klimaschutzministerin Katrin Eder an Landrätin Cornelia Weigand vor den Bürgermeistern der acht beteiligten Kommunen und Herrn Wolfgang Treis, Präsident der SGD Nord (Quelle: Kreisverwaltung Ahrweiler)

Am 07.09.2023 wurde eine weitere Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis Euskirchen, der Stadt Bad Münstereifel, der Gemeinde Blankenheim sowie dem Landkreis Vulkaneifel unterzeichnet. Diese erweiterte Partnerschaft ermöglicht die Entwicklung eines kreisübergreifenden und überörtlich wirksamen Maßnahmenplans für das gesamte Einzugsgebiet der Ahr von der Quelle bis zur Mündung.

Durch die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Kommunen und Landkreise kann die Planung umfassender und effektiver gestaltet werden. Nähere Informationen zur Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen finden Sie hier.

Welche Fortschritte wurden bisher erzielt und wie wurde die Öffentlichkeit beteiligt?

Im Rahmen eines europaweiten Vergabeverfahrens erhielt die Hydrotec Ingenieurgesellschaft für Wasser und Umwelt mbH aus Aachen den Auftrag, mit Hilfe von hydrologischen Untersuchungen im Einzugsgebiet der Ahr Maßnahmen zu ermitteln, die den Schaden aus Hochwasserereignissen durch verzögerten Abfluss auf überörtlicher Ebene reduzieren. Sie arbeitet mit dem Ingenieurbüro Berthold Becker aus Bad Neuenahr-Ahrweiler zusammen.

Ende Juni 2023 fand der Auftakttermin der „Lenkungsgruppe überörtlicher Maßnahmenplan“ statt, an dem Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, der Struktur- und Genehmigungsdirektion SGD Nord, des Landesamts für Umwelt sowie der Ingenieurbüros teilnahmen. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Die Ingenieurbüros haben anschließend ein erstes Starkregenmodell für das gesamte Plangebiet erstellt und dieses gemeinsam mit den Kommunen erörtert. Mithilfe dieses Modells und des hydrologischen Modells „LARSIM“ berechneten sie Abflussmengen und Wasserstände, um wirksame Maßnahmen für verschiedene Überflutungsszenarien zu identifizieren.

Insgesamt wurden 19 potenzielle Standorte für große Hochwasserrückhaltebecken im Einzugsgebiet der Ahr gefunden. Diese Rückhaltebecken können den Wasserabfluss im Ahreinzugsgebiet erheblich beeinflussen und die Auswirkungen von Hochwasserereignissen deutlich verringern.

Potenzielle Beckenstandorte und ihre Schutzwirkung (Quelle: Hydrotec / Ingenieurbüro Berthold Becker)

Die hydrologische Untersuchung zeigte, dass insbesondere durch die Wirkung der Rückhaltebecken ein wirksamer Hochwasserschutz entlang der Ahr möglich ist. Die folgenden Grafiken zeigen die Wirkungsweise der Rückhaltebecken.

Wirkung eines Hochwasserrückhaltebeckens (Quelle: Hydrotec / Ingenieurbüro Berthold Becker)

Zudem wurden die örtlichen Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzepte (öHSVK), Maßnahmen aus den Gewässerwiederherstellungskonzepten (GWH) sowie zahlreiche Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern und historische Planungen ausgewertet. So konnten weitere Maßnahmen ermittelt werden, die über ihre lokale Wirkung hinaus zu einem überörtlichen Hochwasserschutz beitragen.

Anfang Juni 2024 wurden die Zwischenergebnisse bei zwei Veranstaltungen im Helmut-Gies-Bürgerzentrum in Ahrweiler und in der DüNaLü-Halle in Dümpelfeld in der Öffentlichkeit vorgestellt und Anregungen aus der Bevölkerung für die weitere Bearbeitung entgegengenommen und können im folgenden Video-Mitschnitt nachträglich angesehen werden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Die Präsentation der Veranstaltung können Sie sich unter diesem Link ansehen.

Wie geht es weiter?

Für den Bau und die Umsetzung von Hochwasserrückhaltebecken dieser Größe und Menge sind lange Zeiträume erforderlich. Ziel ist es, die Planungen für den überörtlichen Maßnahmenplan bis Ende 2024 abzuschließen.
Zunächst werden die 19 potenziellen Standorte für Hochwasserrückhaltebecken fachlich priorisiert. Dabei sollen diejenigen Standorte ermittelt werden, die eine hohe Schutzwirkung und ein geringes Konfliktpotenzial bieten und daher möglichst früh realisiert werden sollten. Dies geschieht im Rahmen einer Widerstandsanalyse, bei der alle möglichen Einschränkungen beim Bau der Becken berücksichtigt werden. Dazu gehören geologische, raumplanerische und naturschutzfachliche Aspekte. Auch Fragen zur Finanzierung und Umsetzung werden geprüft.

Um die Umsetzung und den Betrieb zu bewältigen, wird eine verbindliche Organisationsstruktur benötigt. Ein erster Schritt ist die Gründung eines Gewässerzweckverbands zur Gewässerunterhaltung und Hochwasservorsorge. Alle kreiseigenen Kommunen haben sich bereits für die Gründung ausgesprochen. Das Land Rheinland-Pfalz hat seine Unterstützung ebenfalls zugesagt und hilft beim Gründungsprozess, etwa bei der Erarbeitung einer Verbandsordnung sowie möglicher Finanzierungsschlüssel.
Parallel zur Erstellung des überörtlichen Maßnahmenplans planen und setzen die Kommunen und der Kreis bereits Hochwasservorsorgemaßnahmen aus den bestehenden örtlichen Konzepten (öHSVK) sowie den Gewässerwiederherstellungskonzepten (GWH) um.
Insgesamt wird die Umsetzung des überörtlichen Maßnahmenplans ein Generationenprojekt, das viel Investition, Zeit und Geduld erfordert. Dafür ist ein enger Schulterschluss von Landkreis, Kommunen sowie Bürgerinnen und Bürgern erforderlich. Für den Bau der Rückhaltebecken und die Schaffung von Retentionsflächen müssen beispielsweise Grundstücke beschafft werden, die oft nicht im Besitz der öffentlichen Hand sind. Hier ist die Solidarität aller Beteiligten gefragt, um das gemeinsame Schutzziel zu erreichen.

MENU