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Dienstag, 2. August 2022

Wie kann ein klimaresilienter und vorsorgender Wiederaufbau gelingen?

Wissenschafts-Praxis-Dialog vernetzt Wiederaufbauakteure

Was haben wir aus der Flutkatastrophe für einen nachhaltigen Wiederaufbau gelernt? Wie kann ein klimaresilienter und vorsorgender Wieder- und Neuaufbau gelingen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des ersten Wissenschafts-Praxis-Dialog, der im Rahmen des Projekts „KAHR“ veranstaltet wurde. Vertreterinnen und Vertreter der zuständigen Landesministerien, der Kommunal- und Kreispolitik sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauschten sich über erste wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisrelevante Empfehlungen für einen in die Zukunft gerichteten Wiederaufbau aus.

Darüber hinaus wurden zehn Empfehlungen für einen klimaresilienten und vorsorgenden Wieder- und Neuaufbau diskutiert. Eine Empfehlung lautet, sensible und kritische Infrastrukturen, wie die Energie- und Wasserversorgung, auch außerhalb der gesetzlich festgelegten Überschwemmungsgebiete mit einer entsprechenden Vorsorge gegen Starkregen und extreme Hochwasser zu versehen. Darüber hinaus muss die Frühwarnung vor Hochwasserereignissen gestärkt, Brücken in Zukunft in der Betrachtung von Hochwassergefahren stärker berücksichtigt und Klimaanpassungen und Hochwasservorsorge in der Siedlungs- und Raumentwicklung auf allen Ebenen der Planung einbezogen werden (Alle zehn Empfehlungen sind unter https://www.hochwasser-kahr.de/index.php/de/neuigkeiten/10-empfehlungen abrufbar.)

Des Weiteren stellt sich die Frage, woran man eigentlich die Effektivität und die Umsetzbarkeit von Vorsorge- und Schutzmaßnahmen konkret festmachen kann. Dazu werden derzeit 5000 Haushalte im Ahrtal befragt, um beispielsweise die Akzeptanz für bestimmte Maßnahmen besser einschätzen zu können. Erste Erkenntnisse zeigen, dass insbesondere der private Hochwasserschutz deutlich verbessert werden muss. Hier setzt das Infomobil vom HochwasserKompetenzCentrum (HKC) an. Dieses bietet praxisgerechte Informationen und Aufklärung von Privatpersonen und Unternehmen an und stärkt die Sensibilisierung gegenüber Hochwasser- und Starkregenereignissen.

In der sich anschließenden Podiumsdiskussion machten Experten aus der Wissenschaft und politische Vertreterinnen und Vertreter deutlich, dass im Zuge der Klimaveränderungen und der damit häufiger auftretenden Extremwetter die Notwendigkeit eines resilienten Aufbaus besteht, um in Zukunft besser vorbreitet und geschützt zu sein. Es geht auch darum, den Status Quo zu verbessern und bestmögliche Maßnahmen zu entwickeln.

Nachdem mit dem Wissenschafts-Praxis-Dialog der Grundstein für eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis gelegt worden ist, werden erste konkrete Projekte bereits vorangetrieben. Beispielsweise setzen sich das Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung und die Kreisverwaltung Ahrweiler gemeinsam mit dem Sportbund Rheinland beim Wiederaufbau von Sportstätten mit der Frage auseinander, inwieweit diese multifunktional sowohl als Sportplätze als auch Retentionsflächen bei Starkregen- und Hochwasserereignissen genutzt werden können. Dazu hat Ende Juli ein erstes Treffen von Wissenschaft und Praxis im Kreishaus stattgefunden, um bald erste Ergebnisse vorstellen zu können.

Weitere Informationen zum KAHR-Projekt gibt es online unter https://hochwasser-kahr.de, beim Projektbüro RLP, Simone Schöttmer, IQIB – Institut für qualifizierende Innovationsforschung und -beratung GmbH, Telefon: 02641 / 973-331, E-Mail: simone.schoettmer@igib.de oder bei der Kreisverwaltung Ahrweiler, Charlotte Burggraf, Telefon: 02641 / 975-475, E-Mail: charlotte.burggraf@kreis-ahrweiler.de.

Landrätin Cornelia Weigand begrüßte die Teilnehmenden des ersten Wissenschafts-Praxis-Dialogs im Forschungsprojekt „KAHR“ in der Rheinhalle Remagen. Foto: Kreisverwaltung Ahrweiler

Hintergrund KAHR-Projekt

Im Rahmen des Forschungsprojekts „KAHR“ werden wissenschaftliche Erkenntnisse zur Klimaanpassung, Hochwasservorsorge und Resilienz gesammelt, um moderne und innovative Lösungsansätze unmittelbar in den Wieder- und Neuaufbau des Ahrtals nach der Flut einfließen zu lassen.

„KAHR“ steht für Klima-Anpassung, Hochwasser und Resilienz. Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird durch das Bundeministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziell gefördert. ziel ist es, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel und zur Klima-Anpassung zu generieren und den beteiligten Regionen in beiden von der Flutkatastrophe betroffenen Bundesländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen für die Prozesse des (Wieder-)Aufbaus zur Verfügung zu stellen.

Insgesamt 13 Projektpartner aus verschiedenen Fachdisziplinen – wie der Stadt- und Raumplanung, Hydrologie, Wasserwirtschaft, Gebäudetechnologie sowie der Risiko-, Innovations- und Systemforschung – arbeiten in verschiedenen Bereichen zusammen, um zukunftssichere, resiliente und klimafeste Strukturen zu entwickeln. Dabei steht die Vernetzung der wissenschaftlichen und theoretischen Erkenntnisse mit den Praxispartnern auf Kommunal- und Landkreisebene immer im Fokus.

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