Mittwoch, 30. September 2026

Hochwasserpartnerschaft Ahr vernetzt Wissenschaft und Praxis

Wie kann sich der Kreis Ahrweiler noch besser auf Hochwasser, Starkregen und die Folgen des Klimawandels vorbereiten? Und welche Rolle kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis hierbei spielen? Mit diesen Fragen hat sich die 23. Hochwasserpartnerschaft Ahr bei ihrem jüngsten Treffen im Kreishaus in Ahrweiler beschäftigt. Im Mittelpunkt standen drei Projekte, die sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit der Hochwasservorsorge und Klimaanpassung, dem Erosionsschutz sowie der ökologischen Entwicklung der Ahr befassen.

„Die Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass der Klimawandel uns vor immense Herausforderungen stellt. Umso wichtiger ist es, dass wir über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg zusammenarbeiten, Fragen gemeinsam diskutieren und Lösungsansätze entwickeln“, betonte Landrätin Cornelia Weigand. „Gerade bei komplexen Herausforderungen müssen Wissenschaft und Praxis eng zusammenarbeiten. Wir brauchen den Austausch zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Erfahrungen derjenigen, die vor Ort Verantwortung tragen, Entscheidungen treffen und Maßnahmen umsetzen.“

Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf vom Lehrstuhl und Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen stellte die Fortführung des Projekts „Klima-Anpassung, Hochwasser, Resilienz“ – kurz KAHR – vor. Bereits in seiner ersten Phase hatte das Forschungsprojekt wichtige Erkenntnisse für einen nachhaltigen und resilienten Wiederaufbau nach dem Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Jahr 2021 geliefert. Bei KAHR 2.0 liegt der Fokus nun unter anderem darauf, differenzierte Schutzziele zu erarbeiten und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen unter den Bedingungen des Klimawandels zu untersuchen. Dabei sollen auch die Wirkungen der bisherigen Wiederaufbauförderung sowie der gesetzlichen Änderungen auf den andauernden Aufbau analysiert werden. Außerdem will der Verbund die Potentiale sowie die soziale Akzeptanz von technischen und natürlichen Maßnahmen zur Hochwasservorsorge beleuchten und den Erfahrungsaustausch mit anderen flutbetroffenen Regionen stärken.

Einen weiteren Schwerpunkt des Workshops bildete das Trierbachtalprojekt zur Umsetzung und Verstetigung von Wasserrückhaltemaßnahmen in der Landwirtschaft. Lukas Heinemann vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum gab Einblicke in das Projektvorhaben und zeigte auf, welche Ansätze dazu beitragen können, Erosion und damit verbundene Risiken bei Starkregenereignissen zu reduzieren.

Darüber hinaus stellten Prof. Dr. Lothar Kirschbauer von der Hochschule Koblenz und Sophia Sonak von der Hochschule Trier das Forschungsprojekt MonAHR vor. Über zunächst sechs Jahre – seit 2024 bis ins Jahr 2029 – wird die ökologische Entwicklung der Ahr im Zuge der Wiederaufbaumaßnahmen wissenschaftlich begleitet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich ökologische Prozesse und der Zustand des Flusses nach der Flut und im Rahmen der Wiederaufbau- und Gewässerwiederherstellungsmaßnahmen entwickeln und welche Erkenntnisse sich daraus für die zukünftige Gewässerentwicklung ableiten lassen.

Die Hochwasserpartnerschaft Ahr bietet dabei eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Kommunen, Fachbehörden, Wissenschaft und den Menschen, die vor Ort mit den Folgen von Hochwasser und Starkregen umgehen. Die regelmäßigen Treffen der Partnerschaft ermöglichen es, aktuelle Erkenntnisse zusammenzuführen, Erfahrungen auszutauschen und daraus gemeinsame Ansätze für die Region zu entwickeln.

Weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der Kreisverwaltung unter https://kreis-ahrweiler.de/hochwasserpartnerschaft-ahr/.

Zum Hintergrund

Die Hochwasserpartnerschaft Ahr ist ein freiwilliger Zusammenschluss des Kreises Ahrweiler, der Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler, Remagen und Sinzig, der Verbandsgemeinden Adenau, Altenahr, Bad Breisig und Brohltal, der Gemeinde Grafschaft sowie der Ortsgemeinden, die gemeinsam die Hochwasservorsorge voranbringen möchten. Hierzu findet auch ein Austausch mit den Nachbarkommunen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen statt. Die Partner beschäftigen sich in regelmäßigen Workshops mit verschiedenen Aspekten der Hochwasser- und Starkregenvorsorge. Dabei werden das gesamte Kreisgebiet, die Ahr, deren Zu- und Nebenflüsse sowie weitere Gewässer betrachtet.