Mittwoch, 3. Juni 2026

Strategien für den resilienten Aufbau nach Hochwasserkatastrophen

Forschungsverbund KAHR geht in die zweite Förderphase
Der überregionale und interdisziplinäre Forschungsverbund „Klima-Anpassung, Hochwasser, Resilienz“ (KAHR) hat in der ersten Förderphase bereits wichtige Anstöße für einen nachhaltigen und resilienten Wiederaufbau nach dem Hochwasserereignis in West- und Mitteleuropa im Jahr 2021 gegeben. Nun fand am 11. und 12. Mai 2026 in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Kick-Off-Veranstaltung für das Folgeprojekt KAHR 2.0 statt.

Der Projektverbund, zu welchem auch der Kreis Ahrweiler als sogenannter Praxispartner gehört, wird wie bereits in der ersten Phase zu 100 Prozent durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Hierzu werden für KAHR 2.0 insgesamt 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. In der bis März 2029 laufenden zweiten Förderphase wollen die Partner unter Koordination des Lehrstuhls und Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH Aachen und dem Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart die Regionen weiter begleiten, bisherige Maßnahmen analysieren, Best Practice-Beispiele identifizieren und Strategien entwickeln, die Aufbauprojekte europaweit nutzen können.

In ihrem Grußwort betonte Landrätin Cornelia Weigand die Wichtigkeit der Expertise aus Wissenschaft und Forschung für die Einwohnerinnen und Einwohner sowie für die Unternehmen und Kommunen im Kreis. „Das KAHR-Projekt dient nicht nur dem theoretischen Erkenntnisgewinn. Es geht vor allem um eine konkrete, praxisbezogene Unterstützung für einen klimaresilienten Aufbau.“ Auch für die weiterhin anstehenden Aufgaben und Herausforderungen im Kreis Ahrweiler erhofft sich die Landrätin Unterstützung durch den Forschungsverbund. Als Beispiel für wissenschaftlich fundierte Projekte für die Praxis nannte Landrätin Weigand die angedachten Hochwasserrückhaltebecken, die vor Ort zwar mit großen Veränderungen im Landschaftsbild einher gingen, aber in ihrer wirkungsvollen Umsetzung einen essentiellen und somit unverzichtbaren Bestandteil des Schutzes für die Bevölkerung darstellen. „Die Untersuchungen im Rahmen des von uns in Auftrag gegebenen überörtlichen Maßnahmenplans haben gezeigt, dass es wirksamen Schutz vor Ereignissen wie in 2021 ohne technischen Hochwasserrückhalt nicht geben kann. Hier leistet die Wissenschaft auch einen wertvollen Beitrag in der Kommunikation mit der Bevölkerung sowie auch auf politischer Ebene,“ betont Landrätin Weigand.

Gleichzeitig machte die Landrätin deutlich, dass die aktuell geschätzte Summe von rund 2 Milliarden Euro für die geplanten Hochwasserrückhaltebecken niemals von der Region alleine gestemmt werden kann. „Deswegen kämpfen wir als Kreis dafür, dass wir einen Teil der Mittel des Aufbauhilfefonds auch für den Bau von neuen Hochwasserschutzmaßnahmen einsetzen dürfen,“ sagte sie weiter.

Bei KAHR 2.0 wollen die Verbundpartner in den nächsten drei Jahren die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen unter den Bedingungen des Klimawandels untersuchen. Dabei soll auch die Wiederaufbauförderung sowie gesetzliche Änderungen und Hürden im noch andauernden Aufbau berücksichtigt werden. Außerdem will der Verbund unter anderem technische und natürliche Maßnahmen zur Hochwasservorsorge analysieren und aufzeigen, wie sich gesetzliche Änderungen im Baurecht und der Bundesraumordnungsplan Hochwasserschutz konkret vor Ort auf den Wiederaufbau auswirken. Die Partner möchten zudem prüfen, welche Hemmnisse einem klimaresilienten und schnellen Aufbau noch immer entgegenstehen sowie bei Aufbauprojekten beraten, die erst jetzt in die konkrete Planung und Umsetzung kommen. „Das Projekt KAHR 2.0 gibt uns nun die Chance unsere Anliegen mit den neusten Erkenntnissen der Wissenschaft zu untermauern,“ so Landrätin Weigand.

Bild: Prof. Dr. Jörn Birkmann (r.) vom Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung (IREUS) der Universität Stuttgart zusammen mit Landrätin Cornelia Weigand (Mitte) und Prof. Dr. Holger Schüttrumpf vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH Aachen in Altenahr. Foto: Alessa Trüdinger / Institut für Raumordnung und Entwicklungsplanung