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HINWEIS (Artikel vom 06.02.1997):
Sie befinden sich im Pressedienst-Archiv der Kreisverwaltung Ahrweiler. Eine Gewähr für die Aktualität zum Zeitpunkt Ihres Aufrufs kann nicht gegeben werden.


Amtstierärzte warnen vor unkontrollierten Hausschlachtungen

Direktvermarktung ja - aber bitte den Gesundheitsschutz beachten

Mit Nachdruck stellt sich die Kreisverwaltung Ahrweiler hinter die Direktvermarktung in der Landwirtschaft, bei der Landwirte ihre Erzeugnisse direkt an den Verbraucher verkaufen. "Aus gegebenem Anlaß" jedoch warnen die Amtstierärzte und Lebensmittelkontrolleure davor, den gesundheitlichen Verbraucherschutz zu vernachlässigen.


Im Klartext: Die klassische Hausschlachtung im landwirtschaftlichen Betrieb dient nach dem Gesetz ausschließlich dem Eigenbedarf des Tierbesitzers und unterliegt keinen Hygienevorschriften. Wer jedoch ein Rind, Schwein oder Geflügel auch für andere Personen schlachtet, unterliegt mit allen Konsequenzen den Hygieneregeln der gewerblichen Schlachtung.


Infos mit näheren Einzelheiten zur Direktvermarktung gibt die Kreisverwaltung (Lebensmittelüberwachung) unter Ruf 02641/975-225. Beratungsgespräche - vor allem vor Beginn des neuen Geschäftszweiges als Direktvermarkter - sind nach telefonischer Terminvereinbarung ebenfalls möglich. Mit solchen Gesprächen lassen sich Probleme vermeiden wie jüngst, als einigen Landwirten die Direktvermarktung untersagt wurde. Diese hatten weder die Vorschriften zur Fleischhygiene eingehalten noch die Schlachtabfälle, die bei jeder Schlachtung anfallen, ordnungsgemäß über eine Tierkörper-Beseitigungsanstalt entsorgt.


Der Gesetzgeber mißt dem Gesundheitsschutz der Verbraucher hohen Stellenwert bei und hat eine Fülle von Verordnungen geschaffen. Das reicht - um nur einige Beispiele zu nennen - vom Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz über die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung, mehrere Hygieneverordnungen bis zum Bundesseuchen-, dem Tierschutz- und dem Produkthaftungsgesetz. Direktvermarkter müssen in der Regel die gleichen hygienischen Anforderungen wie das verarbeitende Gewerbe erfüllen. Das gilt vor allem für leicht verderbliche Lebensmittel tierischer Herkunft wie Fleisch, Milch und Milchprodukte und Eier.


Zum Hintergrund: Der anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft verlangt neue marktwirtschaftliche Methoden. Zoll- und Handelshemmnisse entfallen ebenso wie Grenzkontrollen. Die zunehmende Öffnung der osteuropäischen Länder für Waren vergrößert zwar die Absatzmärkte, aber gleichzeitig steigt auch die Zahl der Anbieter. Folglich wächst die Konkurrenz für heimische Landwirte, Erzeugerpreise sinken, und der Zwang zur markt- und preisorientierten Produktion steigt. Hinzu kommen die Verunsicherungen des Verbrauchers durch Rinderwahnsinn, Hormon- und Arzneimittelskandale und Tierschutzprobleme, vor allem beim Tiertransport. Dies alles ändert das Einkaufs- und Verzehrverhalten der Bürger. Folglich suchen immer mehr Landwirte nach neuen Vermarktungsformen. Dies erhöht die Gewinnspanne für die Produkte und sichert das Familieneinkommen und die Betriebsexistenz.


Grundsätzlich sieht die Kreisverwaltung in der Direktvermarktung eine geeignete Methode: Der Kunde kennt "seinen" Landwirt und kann sich über Anbauverfahren und Formen der Tierhaltung und -fütterung direkt - ohne Zwischenhändler - informieren. Vor allem brauche der Kreis Ahrweiler die Landwirtschaft, nicht nur mit Blick auf die Gesundheits- und Fitneßregion. Selbstvermarktende Betriebe sollen aber nicht nur regionale, sondern auch qualitativ hochwertige Produkte erzeugen, appelliert die Kreisverwaltung an die Hersteller. Qualität lasse sich aber nur garantieren, wenn auch der Gesundheitsschutz der Verbraucher beachtet wird. Wenn einzelne Landwirte sich nicht an die gesetzlichen Regeln hielten, gefährde dies das Gesamtbild und das gemeinsame Ziel, dem sich viele Bäuerinnen und Bauern verpflichtet fühlten, befürchten die Experten im Kreishaus.


© Kreisverwaltung Ahrweiler - 06.02.1997

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